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Veränderung mit den sieben Säulen der Resilienz meistern

vor 3 Tagen
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Die sieben Säulen der Resilienz, angelehnt an Ursula Nuber, geben uns Orientierung, worauf wir während einer Veränderung achten können. Damit wir sie im Alltag nutzen können, brauchen wir einen Zugang zu uns selbst und zu den Möglichkeiten, die in einer Situation liegen. Achtsamkeit hilft uns wahrzunehmen, was gerade in uns und um uns herum geschieht. Kreativität brauchen wir, um neue Antworten zu finden. Mut ermöglicht uns, eine Entscheidung zu treffen und den nächsten Schritt zu gehen, obwohl der weitere Weg noch nicht feststeht.


Wie wir Veränderungen verarbeiten

Bevor eine Veränderung eintritt, kennen wir unsere Welt. Wir haben Routinen entwickelt, wissen, was von uns erwartet wird, und können auf unsere Erfahrungen zurückgreifen. Auch eine Situation, mit der wir nicht mehr zufrieden sind, gibt uns eine gewisse Sicherheit. Wir wissen zumindest, woran wir sind.


Eine angekündigte oder unerwartete Veränderung stellt diese Sicherheit infrage. Vielleicht reagieren wir zunächst mit Irritation oder Ungläubigkeit. Wir unterschätzen ihre Bedeutung, hoffen, dass sie an uns vorübergeht, oder versuchen, so weiterzumachen wie bisher.

Sobald wir die Folgen deutlicher erkennen, wächst der Widerstand. Ärger, Angst, Trauer oder Enttäuschung können entstehen. Was uns bisher Orientierung gegeben hat, trägt nicht mehr. Gleichzeitig wissen wir noch nicht, wie wir mit der neuen Situation umgehen sollen. In dieser Phase sinkt häufig das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit.


Der Wendepunkt kommt mit der Akzeptanz. Wir hören allmählich auf, die Veränderung rückgängig machen zu wollen, und wenden uns der Frage zu, wie es unter den neuen Bedingungen weitergehen kann. Damit beginnt die Neuorientierung.


Wir entwickeln Ideen, probieren etwas aus und sammeln Erfahrungen. Manches funktioniert, anderes müssen wir wieder verwerfen. Nach und nach verstehen wir die neue Situation besser. Was zunächst fremd und anstrengend war, wird vertrauter. Irgendwann gehört das Neue zu unserem Leben und wir erleben uns wieder als handlungsfähig.


Diese Bewegung wird als Veränderungskurve beschrieben. Sie verläuft im wirklichen Leben nicht so ordentlich, wie eine Kurve auf dem Papier vermuten lässt. Wir können einen Schritt nach vorn machen und am nächsten Tag wieder mit der Veränderung hadern. Verschiedene Aspekte derselben Situation verarbeiten wir möglicherweise unterschiedlich schnell. Die Veränderungskurve hilft trotzdem bei der Einordnung. Sie macht verständlich, warum wir Zeit brauchen und warum in verschiedenen Phasen jeweils etwas anderes hilfreich ist.


Die sieben Säulen der Resilienz geben uns dafür eine gute Orientierung.


1. Zuversichtlich bleiben

Ich mag den Begriff Zuversicht lieber als Optimismus. Zuversicht verlangt nicht, Schwierigkeiten schönzureden oder fest daran zu glauben, dass alles gut ausgehen wird. Sie beruht auf dem Vertrauen, mit dem umgehen zu können, was kommt.


Unter Belastung richtet sich unsere Aufmerksamkeit schnell auf Gefahren und mögliche Verluste. Das hilft uns, Risiken zu erkennen und uns vorzubereiten. Bleibt unser Blick dort hängen, nehmen wir unsere Möglichkeiten kaum noch wahr.


Dann kann es helfen, sich an frühere Veränderungen zu erinnern. Was habe ich damals bewältigt? Welche Fähigkeiten haben mir geholfen? Wer war für mich da? Solche Erfahrungen erinnern uns daran, dass eine ungewisse Situation nicht zwangsläufig aussichtslos ist.


Zuversicht gibt uns noch keine Lösung. Sie hält die Möglichkeit offen, dass wir eine finden können.


2. Die veränderte Realität akzeptieren

Akzeptanz beginnt mit der Anerkennung dessen, was bereits eingetreten ist. Eine Entscheidung wurde getroffen, eine Beziehung ist beendet, eine Krankheit diagnostiziert oder eine bisherige Lösung reicht nicht mehr aus.


Wir dürfen eine Entwicklung bedauern, ablehnen oder ungerecht finden. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass sie im Moment zu unserer Wirklichkeit gehört. Erst dann können wir prüfen, worauf wir noch Einfluss haben.


Unser Verstand erfasst eine Veränderung manchmal schneller als unser Gefühl. Wir haben verstanden, was geschehen ist, und hängen trotzdem noch am Alten. Mit dem Vertrauten verlieren wir möglicherweise Sicherheit, Zugehörigkeit oder eine Vorstellung davon, wie unser Leben weitergehen sollte. Enttäuschung, Wut, Angst und Trauer können Teil dieses Abschieds sein.


Akzeptanz braucht deshalb Zeit. Sie wächst, wenn wir aufhören, die Wirklichkeit innerlich rückgängig machen zu wollen. Dadurch wird der Blick wieder frei für die Gegenwart und für die Entscheidungen, die jetzt anstehen.


3. Das Problem verstehen und nach Lösungen suchen

In einer Krise müssen wir zunächst verstehen, womit wir es zu tun haben. Was genau hat sich verändert? Welche Folgen sind bereits erkennbar? Welche Annahmen stimmen nicht mehr? Eine sorgfältige Analyse schützt uns davor, vorschnell an der falschen Stelle anzusetzen.


Irgendwann bringt weiteres Nachdenken keine neue Erkenntnis mehr. Wir gehen dieselben Fragen erneut durch, ohne einer Antwort näherzukommen. Dann braucht es eine andere Blickrichtung.


Was soll an die Stelle des Problems treten? Was möchte ich erhalten? Was wäre unter den gegenwärtigen Bedingungen ein guter nächster Schritt? Welche Information oder Fähigkeit fehlt mir noch?


Lösungsorientierung verlangt keine fertige Antwort. Manchmal braucht sie ein Gespräch, eine Recherche oder einen kleinen Versuch. Wir entwickeln eine Idee, probieren sie aus und sehen anschließend etwas klarer. So kommen wir wieder in Bewegung.


4. Entscheidungen treffen

Während einer Veränderung können wir lange zwischen dem Alten und dem Neuen schwanken. Wir wissen, dass es so nicht weitergehen soll, sind aber noch nicht bereit, uns auf eine Richtung festzulegen.


Dieses Zögern enthält möglicherweise eine wichtige Information. Vielleicht wissen wir noch zu wenig. Vielleicht stehen zwei Bedürfnisse miteinander im Konflikt. Vielleicht kennen wir die Konsequenz unserer Entscheidung und sind noch nicht bereit, sie zu verantworten.


Was will ich bewahren? Was bin ich bereit loszulassen? Welche Folgen kann ich tragen? Und wofür entscheide ich mich, wenn ich vorerst nichts verändere?


Eine Entscheidung beseitigt die Unsicherheit nicht vollständig. Sie gibt unserem Handeln eine Richtung. Große Veränderungen bestehen aus vielen kleinen Entscheidungen. Wir setzen den nächsten Schritt und prüfen anhand unserer Erfahrungen, ob der eingeschlagene Weg stimmt.


5. Verantwortung übernehmen

Wir können nicht alle Bedingungen unseres Lebens bestimmen. Andere Menschen treffen Entscheidungen, die uns betreffen. Krankheiten, wirtschaftliche Entwicklungen oder politische Ereignisse können unseren Handlungsspielraum erheblich verändern.


Verantwortung stellt die Frage, wie wir mit diesen Bedingungen umgehen. Welche Entscheidung liegt bei mir? Welche Grenze muss ich anerkennen? Für welche Folgen meines Handelns muss ich einstehen?


Dazu gehört auch, Fehler zuzugeben und einen eingeschlagenen Weg zu korrigieren, wenn er sich als falsch erweist. Verantwortung verlangt weder vollständige Kontrolle noch die Schuld für alles, was geschieht. Verantwortung richtet den Blick auf den Teil der Situation, den wir tatsächlich gestalten können.


6. Gute Beziehungen pflegen

Wir bewältigen Veränderungen nicht allein. Beziehungen geben uns Rückhalt, praktische Unterstützung und neue Perspektiven. Andere Menschen hören uns zu, ermutigen uns, widersprechen oder machen uns auf etwas aufmerksam, das wir selbst übersehen.


Unter Stress geraten Beziehungen leicht in den Hintergrund. Wir ziehen uns zurück, reagieren gereizter oder glauben, zunächst alles allein klären zu müssen. Damit verlieren wir ausgerechnet dann eine wichtige Kraftquelle, wenn wir sie brauchen.


Ein belastbares Beziehungsnetz entsteht im Alltag. Es wächst durch Interesse, Verlässlichkeit, gemeinsame Erfahrungen und gegenseitige Unterstützung. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich mit Zweifeln zu zeigen und um Hilfe zu bitten.


Nicht jede Beziehung muss dasselbe leisten. Mit manchen Menschen können wir unsere Gefühle teilen. Andere denken mit uns über eine Entscheidung nach oder helfen ganz praktisch.


Allein schon zu wissen, an wen wir uns womit wenden können, stärkt unsere persönliche Resilienz.

7. Eine Vorstellung von der Zukunft entwickeln

Eine Veränderung lässt sich schwer gestalten, wenn wir nur wissen, was enden soll. Wir brauchen eine Vorstellung davon, was an die Stelle des Alten treten könnte.


Dieses Zukunftsbild muss noch kein fertiger Plan sein. Es beschreibt zunächst, was uns wichtig ist und wie wir künftig leben oder arbeiten möchten. Welche Werte sollen sich in meinem Leben wiederfinden? Was soll möglich werden? Was möchte ich anders machen?


Eine solche Vorstellung gibt unseren Entscheidungen eine Richtung. Wir können prüfen, ob ein Schritt uns dem gewünschten Zustand näherbringt und zu dem passt, was uns wichtig ist.

Auf dem Weg gewinnen wir neue Erkenntnisse, stoßen auf Grenzen und entdecken Möglichkeiten, die wir zu Beginn noch nicht sehen konnten. Deshalb darf sich auch unser Zukunftsbild verändern.


Ein positives Zukunftsbild schenkt uns Orientierung und Motivation für die Veränderung. Und es bleibt offen für das, was wir unterwegs lernen.

Die sieben Säulen beschreiben, was uns während einer Veränderung stärken kann. Damit wir sie für uns nutzen können, brauchen wir einen guten Zugang zu uns selbst und zu den Möglichkeiten, die in einer Situation liegen. Dabei spielen Achtsamkeit, Kreativität und Mut eine besondere Rolle.


Resilienz braucht Achtsamkeit

Um zu erkennen, was wir gerade brauchen, müssen wir uns selbst wahrnehmen. Vielleicht beeinflusst eine frühere Erfahrung unsere Einschätzung der gegenwärtigen Situation. Vielleicht sind wir erschöpft und treiben uns trotzdem weiter an. Oder wir haben eine Entscheidung längst getroffen und erlauben uns noch nicht, danach zu handeln.


Achtsamkeit hilft uns, solche Reaktionen zu bemerken. Für einen Moment halten wir inne und prüfen, was gerade in uns und um uns herum geschieht. Wir gewinnen dadurch die Möglichkeit, bewusst zu antworten, statt automatisch zu reagieren.


So können wir früher erkennen, was wir wirklich brauchen und uns in einer Situation wirklich weiterhilft.


Resilienz braucht Kreativität

Wenn vertraute Antworten nicht mehr passen, brauchen wir Kreativität. Sie hilft uns, eine Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten, Möglichkeiten miteinander zu verbinden und mit noch unfertigen Ideen zu arbeiten.


Kreativität beginnt bereits mit einer neuen Frage: Was könnte ich anders machen? Welche Annahme begrenzt meinen Blick? Was würde ich ausprobieren, wenn ich noch nicht wissen müsste, ob es gelingt?


Aus solchen Fragen entstehen Versuche. Manche führen weiter, andere nicht. Jeder Versuch liefert neue Informationen über die Situation, unsere Möglichkeiten und die Grenzen einer Idee.


Eine ungewisse Zukunft wird dadurch nicht berechenbar. Wir können sie aber gestalten und dabei Schritt für Schritt immer besser herausfinden, was durch eine Veränderung für uns möglich wird.


Resilienz braucht Mut

Wir können eine Situation verstanden, Lösungen entwickelt und eine Entscheidung getroffen haben und trotzdem vor dem nächsten Schritt zurückschrecken. Veränderung verlangt, dass wir handeln, bevor wir den gesamten Weg überblicken.


Mut bedeutet, die eigene Angst wahrzunehmen, Risiken zu prüfen und anschließend das zu tun, was wir für richtig halten. Dazu gehört Ehrlichkeit: Wo halte ich am Alten fest? Welche Konsequenz möchte ich vermeiden? Was weiß ich längst, spreche es aber noch nicht aus?


Manches können wir mit uns selbst klären. An anderen Stellen hilft ein Gegenüber, das zuhört, nachfragt und auf Widersprüche aufmerksam macht. Die Außenperspektive ergänzt unsere eigene Wahrnehmung. Die Entscheidung bleibt bei uns.


Resilienz begleitet den gesamten Veränderungsprozess

Die sieben Säulen der Resilienz nehmen uns eine Veränderung nicht ab. Sie helfen uns, besser mit ihr umzugehen.


  1. Zuversicht erhält unser Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten.

  2. Akzeptanz hilft uns, die veränderte Wirklichkeit anzunehmen.

  3. Lösungsorientierung bringt uns vom Nachdenken ins Ausprobieren.

  4. Entscheidungen geben unserem Handeln eine Richtung.

  5. Verantwortung klärt, worauf wir Einfluss nehmen können und für welche Folgen wir einstehen müssen

  6. Gute Beziehungen bieten Unterstützung, Resonanz und neue Perspektiven.

  7. Eine positive Vorstellung von der Zukunft zeigt uns, wohin wir uns entwickeln möchten.


Achtsamkeit hilft uns zu erkennen, wo wir gerade stehen.

Kreativität öffnet den Blick für neue Wege.

Mut brauchen wir, um den nächsten Schritt tatsächlich zu gehen.


Resilienz bewahrt uns nicht davor, dass Veränderungen uns erschüttern. Sie hilft uns, die Belastung zu bewältigen, uns neu zu orientieren und allmählich wieder Vertrauen in unseren eigenen Weg zu gewinnen.



Die sieben Säulen der Resilienz, angelehnt an Ursula Nuber, helfen Veränderungen und Krisen zu meistern.

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